Gedanken zum Schaffen steirischer Komponisten

Das "Steirische Musiklexikon" enthält um die 6.000 Namen, darunter etwa 2.500 Komponisten, die in diesem Land zur Welt gekommen sind oder die hier gelebt haben. Doch der Versuch, aus der Summe dessen, was diese Persönlichkeiten geschaffen haben, auf eine "steirische" Eigenart zu schließen, hat bisher zu keinen konkreten Ergebnissen geführt. Seit dem großartigen Buch von Hans-Joachim Moser über "Die Musik der deutschen Stämme" und seit Ernst Klusens an den mündlichen Traditionen orientiertem Versuch, "Stammescharaktere" zu fassen, hat sich in Europa niemand mehr an dieses schwierige Thema gewagt.

So stellt sich das, was steirische Komponisten geschaffen haben, als eine Aneinanderreihung zeit- und schichtenspezifischer Personalstile dar, wobei zwei "Meister" herausragen: Johann Joseph Fux, der leider allzu einseitig als Verfasser der "Gradus ad Parnassum" und damit als Lehrer der Komponistengenerationen von Joseph Haydn und Mozart bis Paul Hindemith in der Musikgeschichte qualifiziert wird, - und Hugo Wolf, dessen Lieder nach und neben Franz Schubert zur Weltliteratur zählen. Am ehesten könnte man noch das Nach-Hugo-Wolf´sche Liederwerk, von Joseph Marx bis Ernst Ludwig Uray, als eine Besonderheit der steirisch-slowenischen Kontaktlandschaft qualifizieren. Oder auch der Bezug zum symphonischen Bläserklang und zur Bläserkammermusik, von Hermann Grabner bis Karl Haidmayer, darf genannt werden. Sozialanthropologische Forschung sollte darüber künftig mehr aussagen können.

Entscheidend aber bleibt, dass Interpreten sich der Werke steirischer Komponisten annehmen, dass das Publikum vorurteilslos solche Werke annimmt: Geht es doch darum, in dem, was in dieser Landschaft an qualitativ hochwertigen musikalischen Kunstwerken geschaffen wird, seine Identität zu erkennen und zu bewahren: Angesichts der Globalisierung ein wesentlicher Auftrag!

Wolfgang Suppan
(em. o. Univ.-Prof. Dr. phil.)